Leerheit

Retreat in Brandenburg nahe Berlin

Buddha und Nicht-Ich

Zu Anatta Nicht-Ich stehen Deutungsversuche bei Wiki. Faszinierendes und lebendiges Thema für die einen (etwa mich), für andere leidvolle Theorie. Zur Theoriemenge tragen Begriffe wie Buddhanatur, wahres Selbst, und andere Wortschöpfungen des Spätbuddhismus bei. Die Dynamik religiöser Wortschöpfung kannte Buddha und er wußte, daß Menschen Worte lieber glauben als verstehen und nahm 3 aus seiner Sicht für seine Lehre unverzichtbare Verneinungen: 1 anatta, 2 dukkha, 3 anicca. Neben das, was man dazu bei Wiki findet stelle ich noch folgendes Wortmaterial ... 1 Verneint wird Seelenglaube, 2 Paradiesglaube ist eine Vision der Vergnügungssucht, 3 Ewigkeitsglaube ist realitätsfremd. Den 3 hat Buddha als genialer Menschenversteher noch Nirvana beigefügt. Ein moderner Ungläubiger sieht sich in seinem abgeklärten, theoretischen Selbstverständnis vielleicht nicht als Kandidaten für den Weg des Buddha. Es geht aber nicht um mal nachdenken und dann wie üblich weitermachen. Der Weg des Buddha ist das Alltagserleben. 1 Was kann beleidigt/gekränkt/beschämt/deprimiert werden? 2 Freude/Leid/Schmerz erlebt man als "unpersönliches" Wollen klar von Moment zu Moment? Sowie 3 kennt man überhaupt die glasklare Erfahrung des Nicht-Denkens innerhalb von "längeren" "Zeit"momenten? Stille als Abwesenheit von Gedanken (nicht Geräuschen) ist so vertraut, wie die Anwesenheit der Gedanken? Und wie erscheinen auf dieser Basis Konzepte persönlicher Identität in Bezug auf Zeitkonzepte? Wer mit diesem 1 2 3 Erfahrungs- und Wissenshintergrund bei Wiki das Stichwort "Selbstmanagement" liest, hat mit diesem Selbst kein Problem. Ist es ein Problem, wenn man zur Unterstützung des Selbstmanagement die Psychotherapie fragt, ob sie eine überzeugende Vorstellung von Selbst haben, mit dem man Handlungsfähigkeit gewinnt und das zur Orientierung dient? Können die Therapeuthen ein "gesundes" Standardselbst nennen, auf das sie hintherapieren? Sind Roboter Sophia und andere selbst- und seelenlose Programme in der Analyse besser als Therapeuten mit Ihrem eigenen besonderen Selbst? Mit anatta im Hintergrund bei wiki psychische Störung als Synonym für geistige Krankheit präsentiert zu bekommen, präzisiert als "inhaltliche Denkstörungen" und "Störung des Ich-Erlebens" - erscheint bizarr. Im Kontext mit anderen Psycho-Produkten wie PEN-Modell und OCEAN wird es immer eigenartiger. Das Hauptbetätigungsfeld von PsychoDoktoren sind wohl Depression und Angst ... dukkha? Bei so einigen Buddhisten-publikationen gibt es viele Worte zu Leerheit (ex-anatta) als "wahrem Selbst" oder ZaZen als wahrem Selbst. Der große Dai Osho und Psycho-Guru Woody Allen verfasste für uns dazu folgendes Koan: Du kannst nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten.

Rechte Einsicht zu anatta bedeutet handlungsfähiger zu werden weil man das Selbst durch und durch als Konstrukt menschlicher Kommunikation versteht. Wenn die UrFehlannahme eines stabilen Selbst sich auflöst erlebt man wie eine bis dahin unbekannte enorme Last abfällt und empfindet das übliche Gesellschafts-Ich von dem man bis dahin glaubte, daß gerade das so persönlich sei, als ... Witz.

Meditationswochenende in Brandenburg
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