Leerheit

Retreat in Brandenburg nahe Berlin

Buddha und Nicht-Ich

Buddhismus ist bei uns als Religion (Glaube als Wahrheit) gelistet, obwohl die Kernkompetenz des Buddha Antireligion (Empirie als Wahrheit) ist! Wer also eine verständliche Abneigung gegenüber Religion hat, wird durch geschickte Zuordnung im "westlichen" Wissensgebäude von Buddha abgehalten. Buddha hat von anatta (Nicht-Ich = Nicht-Seele oder Leerheit) gesprochen und dies mit dem Aspekt "rechte Einsicht" verbunden. Mit dieser Feststellung ist Buddha eindeutig ein Super-Ketzer nach der Lehre des Christentums. Er begeht praktisch eine Todsünde, weil er es vorzog sich selbst und seiner Wirklichkeit zuzuwenden, vgl. Todsünde wiki Papst Paul II 1984. Seit Jahrhunderten sind christliche Vereinigungen in Deutschland an der Macht. Die Klaviatur der Macht beherrschen diese perfekt. Sie setzen die Moralstandards (was peinlich ist, was nicht) und andere "Selbst-Verständlichkeiten" der Wissenskontrolle. Wer sich das Ausmaß vor Augen führt, fühlt sich ohnmächtig. Sich wieder selbst zu spüren und zu vertrauen war das zentrale Anliegen von Buddha. Buddha hat enorm gekämpft um an rechte Einsicht zu gelangen. Die persönliche Suche nach rechter Einsicht ist die Erbsünde im christlichen Glauben. Wir müssen also stark sein. Vielleicht muß man selbst anfangs etwas ungehorsam und ketzerisch sein und sich den buddhistisch wichtigen deutschen Worten "richtig" und "Einsicht" mystisch historisch spielerisch nähern. Man glaubte bei uns wohl "irgendwie" und "irgendwann" früher, daß Menschen von Bäumen abstammen. Und es gab als Symbol für Welt den Weltenbaum Yggdrasil. Erstaunlicherweise haben Buddhisten den Bodhi-Baum als Symbol und Ort der Anbetung. Odin/Wotan hat sich in seiner dauernden Suche nach Weisheit an den Weltenbaum mit dem eigenen Speer für neun Tage und Nächte fixiert. In der alten Vorstellung hat also der höchste germanische Gott sich überaus anstrengen müssen um selber Weisheit zu erreichen und - er wollte das absolut! Das ist etwas anderes als der Gehorsam gebietende allmächtige und allwissende christliche Gott, der den Menschen verbietet vom Baum der Erkenntnis zu essen! Odin gibt sogar ein Auge als Pfand - um "Einsicht" zu erlangen? Odin hat "Gedanke" und "Erinnerung" als fliegende, flattrige Begleiter (symbolisiert in den beiden Raben Hugin und Munin) und hat "Gier" und "Gefrässigkeit" gezähmt (symbolisiert als zwei Wölfe Geri und Freki). Den "alten" Germanen wäre es vermutlich äußerst einfach klar zu machen, dass man ein anstrengendes Meditations-Retreat über 9 Tage veranstaltet, sich am Meditationsplatz fixiert, um die flüchtigen Gedanken und Erinnerungen genau zu betrachten und dabei Gier und Gefrässigkeit zu zähmen. Das ist schlicht - traditionelle buddhistische Praxis, im Theravada 10 Tage, bei Zen-Sesshins 7 Tage. Vielleicht entwickelt sich dann zunehmend ein Wissen, eine Vorstellung von eigenem Richtig, eine Richtschnur für unsere Gedankengebäude, wie früher unsere Wohn-Gebäude mittels Richtschnur gebaut wurden. Das Wort "richtig" ist nicht gefühlsfreie Wertordnung, es ist an Gefühlswahrnehmung und -reflektion gekoppelt. Man ist richtig gefühlt "zu Hause". Es ist kein Gefühl wie "absolut im Recht" sein, was man bei Wut fühlt. Wut wird mit Wotan in Verbindung gebracht, er war nicht Wut, sondern menschliches Wort in seiner Erklärungswelt für unfassbare Naturgewalt. Naturgewalt ist für uns mit Überwältigtsein, Erstaunen, berauschtem Erleben verbunden, Gefühle die im Christentum alle wenn, dann auf den abstrakten Gott und seine irdische Hierarchie zu beziehen sind. Große Kirchen eben. Für Buddha war klar, daß man persönliches Erleben nicht über ein theoretisches Modell definiert, sondern es sind Gefühle, die persönlich erlebt werden. Ob Odin Achtsamkeit Wahrheitsergründung und Willenskraft pflegte oder gleich alle 7 bojjhanga bleibt noch in der mystischen Vergangenheit verborgen. Vielleicht muß man es auch heute noch so wie Buddha damals machen, allen religiösen, philosophischen und psychologischen Theoriekram zur Seite packen, sich einen netten Platz suchen, achtsam sein und meditieren. Und sich im Wechsel damit der gedanklichen Wahrheitsergründung aufgrund Erfahrung widmen, - richtige Einsicht. Wir sitzen auch gerne in unserem Retreat draußen, zwar nicht unter Bäumen, aber die Wälder sind nahe. Wie es unter dem Bo-Baum weiterging kann man gerne in der Mittleren Sammlung des Pali Kanon bei der Lehrrede Nr. 36 weiterlesen ...

Meditationswochenende in Brandenburg
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